Gratis!

In manchen Städten ist es ja verboten einfach so Dinge vor dem Haus zu platzieren damit andere sie unentgeltlich mitnehmen können. Je nach Objekt gleicht es einer Mülldeponie – manchmal stösst man aber auch Trouvaillen.

Und immer Mal wieder fragt man sich, was sich die Leute eigentlich dabei gedacht haben…

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Gratis Migros-Nanos zum Mitnehmen!

Hier zwei schöne Beispiele aus Zürich (Kreis 6):

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Endlich! Eine Gabel!

Alltägliche Todeswerkzeuge die zu Hause rumliegen

Dankbarkeit ist eine tolle innere Haltung. Ich war nicht immer dankbar für mein Leben, wahrscheinlich sogar öfters ganz und gar nicht. Aber es hat auch Momente der Dankbarkeit gegeben.

Damals empfand ich eine wirklich überschäumende Dankbarkeit und konnte mein Glück kaum fassen. Dieses starke und allumfassende Gefühl hatte ich zwar nur sehr selten in dieser Intensität und auch seit Langem nicht mehr.

Als ich jedoch heute daran dachte, was beziehungsweise wo ich letztes Jahr um diese Zeit war, fielen mir einige Dinge ins Auge, über die ich mich wirklich freue. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – man vergisst wahnsinnig schnell, was man hat. Das ist bekannt. Ich sollte es vielleicht besser wissen als die meisten, dennoch tappe ich immer wieder in die Falle wo ich alles als gegeben ansehe und vergesse, zufrieden mit dem zu sein, was ich trotz allem (noch oder wieder) habe.

Und es gibt viele Dinge, die man zu Hause hat, kann oder darf welche in einer psychiatrischen Klinik verboten oder unmöglich sind.

 

Alltagsdinge ausserhalb der psychiatrischen Klinik

Dabei denke ich jetzt gerade gar nicht an die «grossen» Sachen wie wieder selbst auf die Toilette gehen können, mich eigenständig zu Fuss ohne Rollstuhl oder Krücken fortbewegen können, nicht mehr im Spital oder einer Klinik sein müssen, ein eigenes Zimmer zu haben…

Nein, heute geht es um die kleinen Alltagsdinge. Vermutlich kommt man nicht von selber darauf. Ich weiss nur noch, wie absolut geflasht ich letztes Jahr war als ich aus der geschlossenen psychiatrischen Klinik entkam und einige Tage zu Hause verbringen konnte und all die Dinge um mich herum sah, die mir so lange verwehrt gewesen waren, dass ich schon beinahe vergessen hatte, dass sie existierten.

Ich schrieb bewusst «aus der psychiatrischen Klinik entkam», denn genau so fühlte sich die Aktion damals an…

Nur zur Info: Ich will hier niemanden davon abschrecken, sich psychologische Hilfe zu holen oder sogar eine psychiatrische Klinik aufzusuchen!

Sich einzugestehen, dass man nicht ein bisschen sondern VIEL Hilfe braucht ist schwierig. Der Weg zum Psychologen oder Psychiater ist schon lang, schmerzhaft und mit vielen eigenen und fremden Vorurteilen behaftet. Dann noch einzusehen und sich dafür zu entscheiden, dass man vielleicht wirklich einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik benötigt, ist noch einmal eine ganz andere Stufe. Es ist sicher besser als stattdessen aus dem fünften Stock zu springen.

Leider hatte ich in der ersten psychiatrischen Klinik sehr schlechte Erfahrungen gemacht, die mich bis heute an guten Tagen vor den Kopf stossen und verwundern, an schlechten jedoch nach wie vor traurig stimmen und verfolgen. Als ich dann an einen anderen Ort wechselte durfte ich dort zum Glück auch positive Erfahrungen mit einer psychiatrischen Klinik sammeln.

 

Cast Away

Ich kam mir ähnlich vor wie Tom Hanks in «Cast Away».

Nach einem Flugzeugabsturz ist er als einziger Überlebender mehrere Jahre auf einer einsamen Insel gefangen und muss sich dort unter härtesten Bedingungen durchschlagen.

Jeder kleine Sieg ist hart erkämpft, nichts ist selbstverständlich. Bis der erste lebensnotwendige Fisch gefangen ist gehen Tage vorbei in denen Hanks immer wieder seine eigene Wut und Enttäuschung über seine anfängliche Unfähigkeit überkommen muss. Und selbst später ist immer noch jeder Fang mit Anstrengungen verbunden und ein wahres Geschenk.

Erst nach mehreren Jahren gelingt es ihm in die Zivilisation zurück zu kehren. Dort wird ein grosses Fest für ihn veranstaltet bei dem unter anderem riesige Portionen von Meeresfrüchten vom ausladenden Buffet unberührt bleiben und im Anschluss wohl fortgeworfen werden müssen. Wo er kurz zuvor noch um jeden Bissen so wie auch Trinkwasser hart kämpfen musste kann man sich vorstellen wie seltsam ihm beim Anblick all der überflüssigen Shrimps zu Mute sein muss. (Die genannte Szene könnt ihr um 2 Stunden 27 Minuten ansehen.)

 

Verbotene Gegenstände in der Psychiatrie

Ich schaue mich heute also plötzlich wieder mit grossen Augen um und erinnere mich an diesen Moment als ich nach vielen Monaten Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause kam. Alles beim Alten – und doch alles so neu. Ich habe diese ganz alltäglichen Dinge auf einmal mit ganz anderen Augen angeschaut – fasziniert von dem plötzlichen Reichtum.

Wie alles was verboten ist übten diese eine unglaubliche Anziehungskraft auf mich aus. Vor allem weil ich bei einigen gar nie auf die Idee gekommen wäre, dass sie in der Psychiatrie als «gefährliche Gegenstände» galten und ich sie abgeben musste.

 

Hell’s Kitchen: Küchenschublade (1) – Allgemeines WG-Besteck

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Unsere gemeinsame Besteckschublade.

Scharfe Messer, Zackige Messer, Brotmesser, Buttermesser, Pizzaschneider, Schere, Sparschäler, Büchsenöffner, Gabeln und eine Raffel. Vermutlich könnte man sich auch mit einem Löffel oder Eierschneider etwas antun, wenn man wirklich will. Der Mensch ist schliesslich kreativ in seinem Todestrieb.

Im Krankenhaus haben sie mir übrigens WIRKLICH das Buttermesser weggenommen. Wenn ich Essen bekommen habe musste es immer jemand vorschneiden und ich durfte dann mit der Gabel essen. (Verstehe ich nicht ganz, ich könnte mich schliesslich mit der Gabel ganz doll stechen. Mit einem stumpfen Buttermesser ginge es vermutlich drei Tage bis ich mir die Adern aufgesäbelt hätte – falls überhaupt. Ein Selbstversuch den ich jetzt nicht in die Tat umsetzen muss.)

 

Hell’s Kitchen: Küchenschublade (2) – mein ganz persönliches Waffenarsenal

Da sind meine ganz persönlichen Lieblinge drinn. Die muss ich euch mal vorstellen, gehört nämlich auch zu den Tollen Sachen.

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Meine persönliche Küchenschublade die ich hüte wie meinen Augapfel.

Aber ja, Messer hats auch drinn (sogar einen Messerschärfer), eine Schere, die beste Raffel der Welt, Pralinengabeln und eine Spritze (nicht was ihr denkt… die ist nur dazu da um Rum in Mini-Kokosnüsse zu füllen).

 

 

Badezimmer (1) – Manche mögen’s heiss

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Ein Fön! Und wenn man genau hinguckt sieht man auch noch eine Pinzette aus Metall.

Jap, ein Fön. Gross, laut und leuchtend rot und vermutlich schon über 30 Jahre alt. Zum Haare trocknen. (Brauch ich eigentlich nicht, ich lass die immer an der Luft trocknen, alles andere ist zu kompliziert für die Koordination meiner Hände.) Aber die Hauptsache ist ja, dass er funktioniert und man ihn in die Steckdose einstecken könnte (auch etwas, dass es in der Psychiatrie nicht gibt: Fön und auch Steckdosen im Badezimmer) um ein nettes Bad zu nehmen.

Wenn man genau hinschaut sieht man noch eine potentiell tödliche Pinzette. Ich nutze sie normalerweise um meinem Haarwuchs Frau zu werden, aber offenbar ist es in Psychiatrien wegen enormem Gefährdungspotential verboten. Kein Wunder sehen die Patienten und Patientinnen dort immer so abgerissen aus…

 

Badezimmer (2) – Scharfe Venus

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Nicht ein sondern gleich zwei Rasierer!

Nicht ein, nein sogar zwei Rasierer! Mit weiss ich wiviel superscharfen Klingen!

Liegen einfach rum! Zur freien Benützung!

Ohne, dass ich fragen muss, ob ich denn bitte meinen Rasierer aus dem Schliessfach bekommen kann. Wahnsinn!

Das Beste war jeweils, wenn ich noch angeben musste, wo ich mich denn rasieren wolle! (Zum Glück nur in der ersten bekloppten Klinik…) Ehm… ich bin vielleicht eine Psychopathin aber DAS geht Dich nun wirklich gar nichts an, mein Lieber Herr Pfleger!

Und meine Nagelschere ist auch dort! Ja, die mit den abgerundeten Kuppen. Aber eben, auch damit kann unwiderbringlicher Schaden angerichtet werden.

 

Badezimmer (3) – In der Klemme

Das im Hintergrund haben wir schon oben besprochen, aber hier sehen wir vor allem die Wimpernzange.

Gut ich verstehe, dass die Wimpernzange für Männer möglicherweise mit einem kleinen Folterwerkzeug verwechselt werden kann. Damit biegt man die Wimpern mit einer Klemme aus Metall nach oben um danach perfekt und verführerisch mit den Wimpern zu klimpern – und ja, wenn man nicht aufpasst, kann das schon auch ein bisschen ins Auge gehen.

Dann gibt es noch eine Pinzette mit der man sich ganz doll kneifen kann.

wimpernzange

Nagelschere, Wimpernzange und eine zweite Pinzette.

 

Extra: The Peanutbutter of Love!

Hier ist noch ein leckerer Nachschlag:

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Das beste Geschenk, dass man mir ans Krankenbett bringen kann: Erdnussbutter!

Das hatte ich am wenigsten erwartet.

In der ersten Psychiatrie haben sie mir beim Eintritt mein Glas mit Erdnussbutter weggenommen!

Und das war nicht irgendeine Erdnussbutter, nein von wegen! Die hat mir nämlich eine meiner besten Freundinnen ins Spital gebracht. Weil sie mich gut genug kennt um zu wissen, dass in dieser Situation nichts hilft – ausser vielleicht Erdnussbutter. (Weil ich Erdnussbutter über alles liebe!)

Die Erdnussbutter hat mich vom Unispital über die Reha hin begleitet und besass wie bereits erwähnt neben dem kalorischen auch einen grossen emotionalen Wert (darum auch «Peanut Butter of Love» ). Und dann haben die mir einfach allen ernstes die Erdnussbutter geklaut!

Dabei bin ich ja noch nicht Mal allergisch dagegen! (Dann hätte ich es ja noch nachvollziehen können – da wäre es ja möglich gewesen Suizid mit Erdnussbutter zu begehen indem ich so ein Glas leerfuttere. Übrigens meine neue Lieblingsmethode.)

Da hätte ich eigentlich wissen sollen, dass die dort nicht alle Tassen im Schrank haben… Aber es hat doch sechs Wochen gedauert bis ich endgültig die Schnauze voll hatte.

 

Tja… das sind also alle Dinge, die mir spontan zu Hause aufgefallen sind. Die ich jetzt wieder ohne Nachfragen benutzen kann und die frei herumliegen den ganzen lieben langen Tag! Und jetzt habe ich auch die Freiheit sie NICHT krankhaft benutzen zu müssen… sondern schon fast benutzen sollte… (eh… also den Rasierer und die Pinzette beispielsweise…).

Hurra! Das ist Dankbarkeit!

 

 

Die dümmsten Schlagzeilen

In meiner ehemaligen WG in Zürich hatten wir den Kühlschrank jeweils zugekleistert mit lustigen Zeitungsnachrichten, bizarren Schlagzeilen und peinlichen Kontaktanzeigen. Diese tägliche Erheiterungs-Übung könnte ich eigentlich fortsetzen – jeden Tag über etwas lachen kann sicher nicht schaden. Auch heute nicht.

Bei diesen Titeln kann ich nur den Kopf schütteln… (insbesondere wenn es sich um die Schlagzeile Nummer eins – also die auf ersten Seite! – handelt. Ist tatsächlich den ganzen Tag nichts wichtigeres geschehen?)

 

Wer Nacktfotos erhält, teilt sie mit Freunden

(20 Minuten, Zürich, 10. August 2016)

20minuten nacktfotos

Wer Nacktfotos erhält, teilt sie mit Freunden.

 

Neeee, echt? Vielen Dank für diese wertvolle Information… darauf wäre ich selbst ja NIE gekommen!

 

 

 

 

 

Nicht jeder Sonderling läuft Amok

 (Blick am Abend, Zürich, 15. August 2016)

sonderling amok blick am abend

Nicht jeder Sonderling läuft Amok.

Na da hat die Welt ja noch einmal Glück gehabt! Ich bin froh, dass ich als «Sonderling» noch eine kleine Chance habe, NICHT als Amokläuferin zu enden.

 

 

 

 

Wer ist der Irre mit dem rosa Velo?

15092011039

Blick vom 15. September 2011.

Ein Titel der keinen weiteren Kommentar zulässt.

To be continued…